Als ich erfuhr, dass ich mich bei der Gartenarbeit mit Borreliose infiziert hatte, stellte sich für mich nicht nur die Frage nach der körperlichen Behandlung. Ich fragte mich auch, was ich aus dieser Situation lernen konnte. Während einer Meditation richtete ich meine Aufmerksamkeit nach innen. Statt die Krankheit als Feind zu betrachten, versuchte ich zu verstehen, welche Gefühle und Gedanken mich in dieser Lebensphase besonders beschäftigten. Dabei wurde mir etwas bewusst: In mir gab es viel angestaute Wut, Frustration und Enttäuschung. Nicht unbedingt gegenüber einzelnen Menschen, sondern gegenüber bestimmten Situationen in meinem Leben. Mir wurde klar, dass ich viele dieser Gefühle über lange Zeit verdrängt hatte.
In meiner inneren Vorstellung entstand daraus ein Dialog. Die Krankheit bekam eine Stimme und spiegelte mir meine eigenen ungelösten Themen wider. Die Botschaft war deutlich:„Schau hin. Nicht auf die Krankheit, sondern auf das, was in dir Aufmerksamkeit braucht.“ Diese Erkenntnis traf mich tief. Mir wurde bewusst, wie oft ich gegen Situationen gekämpft hatte, die ich nicht verändern konnte. Wie häufig ich Ärger festhielt, statt ihn zu verarbeiten und anzuerkennen.
Also fragte ich mich: Was brauche ich, um zu heilen – körperlich und emotional? Die Antwort war überraschend einfach: mehr Mitgefühl. Mitgefühl für mich selbst, für meine Geschichte und auch für die Menschen, die mich geprägt haben.
So begann ich noch regelmäßiger zu meditieren und mich bewusst mit meinen Gefühlen auseinanderzusetzen. Besonders wichtig wurde für mich die Arbeit mit dem inneren Kind. Ich fragte mich immer wieder: Welche Verletzungen trage ich noch in mir? Wo halte ich an altem Ärger fest? Was brauche ich, um Frieden mit meiner Vergangenheit zu schließen? Diese Fragen lösten nicht sofort alle Probleme. Doch sie eröffneten einen Weg zu mehr Selbstverständnis und innerer Ruhe. Rückblickend war die Borreliose für mich nicht nur eine körperliche Herausforderung. Sie wurde auch zum Anlass, mein Leben ehrlicher zu betrachten und Verantwortung für meine Gedanken, Gefühle und Verhaltensmuster zu übernehmen.
Genau darin lag für mich die eigentliche Heilung; nicht im Kampf gegen etwas, sondern im bewussten Hinsehen und Annehmen.